Warum Eglofs so wie Eglofs ist? Das Dorf der Freien Leut...

Eglofs - eigentlich ein Dorf wie jedes andere. Kirche, Schule, Wirtschaft, Bank und Laden.
Wer näher hinschaut spürt jedoch das Besondere. Gleich mehrere gut gehende Gastwirtschaften gibt
es da. Ein Pfarrer erfüllt noch seine seelsorgerischen Aufgabe und eine lebendige Grund- und
Hauptschule findet man vor Ort. Viele Vereine gestalten das Alltagsleben und doch ist alles etwas
anders. Da ist einmal der prächtige Dorfplatz mit dem neugotischen Brunnen in dessen Mitte. Auf
diesen ist man hierzuorts besonders stolz. Ein Eglofser Schultes hat das Prachtstück 1925 den
Isnyern abgekauft zum Schrottpreis, weil die ihn nicht mehr haben mochten. Damals erhielt Eglofs
auch seine barocke Fassade. Josef Sichler war der Maler aus Pfronten, der dem Dorf von 1925 bis
1930 sein heutiges Gesicht gab.

Der aufmerksame Besucher sieht beim Abbiegen dass der Platz auf einer Anhöhe liegt.
Kein Wunder, ein altes, wehrhaftes Dorf im Mittelalter geboren! Davon zeugen noch die tiefen
Tobel rings um den einstigen Dorfkern. Ein erst vor wenigen Jahren entdeckter mächtiger, nahezu
vollkommen erhaltener Wehrgraben unterhalb der Kirche zeugt von den unsicheren Zeiten der
Gründung von "Egilolves" so hieß der heute knapp 1700 Seelen zählende und 662 Meter über dem Meer
liegenden Ort damals.

Am Südhang des Argentales wie auf einer Kanzel, genießt der Besucher an schönen Tagen, und
davon gibt es nicht wenige, die Sicht auf das hügelige Westallgäu mit der Nagelfluhkette und
seinem König, dem Hochgrat.

Gleich am Eingang zum Dorfplatz ein alter Bauernhof, liebevoll restauriert. Man vermisst allerdings
das muhen der Kühe und den Geruch von Schweinen. Dorfstadel steht über dem Eingang
geschrieben. Er beherbergt einen Saal, der eher eine Stube ist. Nicht die Größe, er fasst etwa 260
Personen, sondern die liebevolle Gestaltung, einer alten Bauernstube nachgeahmt, macht den Stadel
in Eglofs so reizvoll. Er wurde von den Eglofsern in Eigenregie renoviert und erbaut.
Im Wohnungsteil ist ein Musik- und Ofenkachelmuseum eingerichtet. Neben vielen kulturellen
Veranstaltungen finden hier auch Theater statt. Dahinter, am der ehemaligen Einfahrt zur Tenne
liegt der Stille Winkel versteckt, der Schauplatz der Eglofser Freilichtspiele.

Eglofs schreibt keine Geschichtsbücher, es spielt seine Geschichte. Und überhaupt, das Dorf der
Freien, so heißt es hier. Einst im Jahre 1243 haben sich die Eglofser am Kauf durch Kaiser
Friedrich II. mit 1000 Mark Silber beteiligt. Eine bemerkenswerte Gemeinschaftsleistung.
Als Lohn erreichten sie die Reichsunmittelbarkeit d. h. sie unterstanden direkt dem Kaiser und
waren frei und nicht Leibeigen. 1282 wurde das kleine Dorf mit seiner mittlerweile abgegangenen
Burg zur Stadt erhoben. Die Rechte der Stadt Lindau genoss das kleine Volk. Seitdem führen die
Eglofser der Reichsadler mit dem Lindenzweig im Schnabel und wählten ihrem Amman ohne
obrigkeitlichen Einfluss. Nicht nur diese am Ort, zu Eglofs gehörten einst auch die Freien im
Allgäu - von Oberstdorf bis zum Pfänder. Rechte die sie sich immer wieder erkämpfen mussten.

Davon zeugen die heute noch im Archiv des Ortes vorhanden Kaiserurkunden. Der Kampf um die
Freiheit ist das prägende Merkmal Eglofser Geschichte, so schreiben die Historiker. Und das
zeichnet Eglofs heute noch aus.

Eine Freie und unabhängige Gemeinschaft zu sein, das wollen die Leute im Dorf der Freien heute
noch.