Quelle – Allgäuer Sagen – Alfred Weitnauer:


Der Geisterpudel im Lengatztobel

Der Straßenwärter Bauer aus Meckatz erzählte vor zwei Menschenaltern folgende Geschichte:

In dem wilden schluchtartigen Lengatztobel, durch den der Weg von Heimenkirch nach Maria-Thann führt,
war es früher zur Nachtzeit nicht geheuer. Bei der Brücke über den Dürrachbach kam nämlich den Leuten
bisweilen ein kohlschwarzer Pudel mit feurigen Augen entgegen und lief dann ein Stück Weges neben
ihnen her, so dass sie Angst und Schrecken ausstanden. Deswegen war der Weg durch den Tobel auch bei Tage nicht beliebt.

Der schwarze Pudel aber, so hat man sich erzahlt, sei der Geist eines Wirtes von Maria-Thann gewesen,
der ein Gottloses Leben geführt, Weib und Kind unmenschlich geplagt und zuletzt sogar umgebracht hatte.
Schließlich legte er noch Hand an sich selber. Deshalb durfte sein Leichnam nicht im Frieden des
Kirchhofes ruhen; er wurde zum Lengatztobel gefahren und sollte dort verscharrt werden. Plötzlich aber
sei ein schwarzer Pudel auf dem Sarg gesessen und diesem in die Grube nachgesprungen. Seit dieser Zeit
geistert es im Lengatztobel. Viele nennen den Geisterpudel den „Alten Wirt von Thann“.


Versunkene Glocken

Noch im späten 18. Jahrundert war der Weg von Heimenkirch nach Eglofs wegen allerlei Glockenzaubers berüchtigt und gemieden. Den Winkel um Syrgenstein, Maria-Thann, Steinegaden und Heimenkirch ist überhaupt ein Gebiet, in welchem die Sage die mannigfachsten Dinge von Glocken zu berichten weiß.

In grauer Vorzeit sollen die von Steinegaden einmal eine wüste Fastnacht gehalten haben. Plötzlich wurde ihnen um Mitternacht ihr Glöcklein durch die Luft davongetragen. Dort, wo es halbwegs zwischen Eglofs und Heimenkirch niederfiel und mit einem mächtigen Schlag im Boden versank, plätscherte noch lange Zeit hernach ein silberheller Quell. Das „Glockenbächle“ hieß in der Volksmund, und man sagte, es sei ein Jungbrunnen gewesen, an dem sich besonders die Hirtengütlich taten. Zu gewissen Zeiten, besonders im Totenmonat, aber machten sie einen weiten um das Brünnlein; Denn dann war der Klang der versunkenen Glocke zu hören, und wer den vernahm der hatte sein Sterbeglöcklein gehört.

Ein junger Hirte aus der Schönau hatten seine Kameraden gewarnt, er sollte ja um Johanni nicht aus dem Quell trinken. Er tat’s in seinem Übermut trotzdem und hörte dann auch das Glöcklein aus der Tiefe. Schon am nächsten Tag warf ihn ein wilder Stier so unglücklich, dass er tot liegen blieb.

Dr. Bernhard Zör (1788-1855), der besonders den Glockensagen im westlichen Allgäu nachgegangen ist, berichtet, dass von Schloss Syrgenstein, unweit Eglofs, einst ein unterirdischer Gang in ziemlich gerader Richtung gen Meckatz geführt habe. Dieser Gang soll sich mehrmals saalartig erweitert haben. In diesen unterirdischen Räumen seien vorzeiten die gottlosen Bewohner von Syrgenstein zusammen gekommen, um heidnische Feste zu feiern. Sie taten das noch als über der Erde in Kirchen und Kapellen schon Christus, den Gottsohn, verehrt wurde. Aus den erhaltenen Sagenbruchstücken kann man soviel entnehmen, dass es in jener Gegend einen leidenschaftlich geführten Endkampf zwischen Christus- und Wotansanhängern gegeben haben muss, in dessen Verlauf die Dämonen der Tiefe einen einsamstehenden Kirchlein den Boden entzogen, so dass es versank. Im Versinken jedoch vernichtete es die bösen Gewalten. Die mit der Kirche zugrunde gehenden Beter aber lobten Gott auch im Elend ihres Untergangs. Noch lange läuteten aus der Tiefe die Glocken die kirchlichen Tageszeiten.


Text für die Sagenwanderung:

Zu Fuß an den Sagenumwobene Stellen des Endkampfs zwischen Christentum und Wotanglaube.

Karl Stiefenhofer erzählt über die Sagen und deren Hintergründe von versunkenen Glocken, feurigen Pudeln und Jungbrunnen im Gebiet Syrgenstein, Heimenkirch, Rötenbach, Eglofs und Maria-Thann. Über dieses Gebiet existieren eine Vielzahl von Sagen von Kobolden, unterirdischen Gängen.